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Gedämpfte Stimmung an der Ostsee – Hansa Rostock spürt den Gegenwind

Rostock – Durch den kurzfristigen Verkauf von Ryan Naderi (22) könnte Hansa Rostock bis zu sechs Millionen Euro einnehmen. Dennoch macht sich seit dem Abgang des Stürmers eine ungewöhnlich gedrückte Atmosphäre an der Ostseeküste breit.

„Jede Woche gibt es irgendeinen Ärger. Langsam hat man echt keine Lust mehr“, ließ Hansa-Verteidiger Ahmet Gürleyen (26) nach der Partie seinen Frust freien Lauf. Dieses Interview steht exemplarisch für die Nervenlage bei den Rostockern.

Mit jedem sieglosen Spiel und jeder umstrittenen Entscheidung wächst die Unzufriedenheit an der Ostsee – sei es gegen die Schiedsrichter, den Trainer oder den Sportdirektor.

Im Januar herrschte bei Fans und Verantwortlichen noch regelrechte Begeisterung, als das Testspiel-Highlight in Watford (England) im Sommer innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war.

Am Morgen des 3. Februar war der Stolz groß, als die Nachricht von der Rekordablöse für Naderis Transfer bekannt wurde.

Mittlerweile zeigt sich mit drei Wochen Abstand aber, dass Rostock durch den Verkauf von Naderi nicht nur einen wichtigen Baustein verlor, sondern auch ein deutliches Signal ausgesandt hat.

Denn ein adäquater Ersatz für Naderi konnte in der kurzen Zeit nicht gefunden werden. Bei manchen Fans entstand der Eindruck, dass die finanzielle Entlastung des Klubs höher gewichtet wurde als der kurzfristige sportliche Erfolg.

Natürlich hätte auch Naderi nicht automatisch den Aufstieg garantiert. Allerdings war es wohl nicht geplant, dass Hansa bei sechs Punkten Rückstand so früh Gefahr läuft, den Anschluss an die Aufstiegsränge zu verlieren.

Interessanterweise zeigt sich diese Unsicherheit nicht nur in der Kaderzusammenstellung, sondern auch im Spielstil der Mannschaft.

Unter Trainer Daniel Brinkmann (40) setzt Hansa vor allem auf Ballbesitz und Kontrolle, oft wird der Gegner eingeschlossen, ohne im entscheidenden Moment mit voller Offensive zu agieren.

Das Stichwort lautet Risikobereitschaft. Mannschaften wie Cottbus und Duisburg zeigen, wie es funktionieren kann. Spieler wie Adrien Lebeau (26), Cedric Harenbrock (27) oder Maximilian Krauß (29), die für diese Spielweise stehen, erhalten jedoch nur selten Einsatzzeiten.

Hansa ist eines von lediglich drei Teams in der 3. Liga, die in dieser Saison noch kein Spiel nach einem Rückstand gewinnen konnten. Cottbus gelang dies bereits fünfmal.

Deshalb hat sich die Stimmung an der Ostsee gedreht! Sportchef Amir Shapourzadeh (43), der vor wenigen Wochen noch als Verhandlungsgenie galt, wird nun eine unzureichende Kaderplanung vorgeworfen. Auch seine Nervenstärke wird infrage gestellt, beispielhaft durch die rote Karte nach Spielende in München.

Trainer Brinkmann, der mit seiner eloquenten und natürlichen Art bei vielen Fans beliebt ist, wird hingegen wegen seiner Sturheit beim Spielsystem und der Auswahl der Spieler kritisiert.

Die Meinungen sind dabei selten schwarz oder weiß, dennoch schwanken die Bewertungen gegenüber den Verantwortlichen zwischen Lob und Kritik.

Bis zum Saisonende dürften beide aber weiterhin fest im Amt bleiben – nicht ohne Grund verlängerte Rostock im November überraschend früh die Verträge mit dem Duo.

Gleichwohl dürfte an der Ostsee niemand zufrieden sein, falls die Kogge die Saison als derzeit Siebter beendet. Hansa muss darauf achten, dass aus der momentanen gedrückten Stimmung kein endgültiger Abgesang wird.

Tabelle der 3. Liga

Die Bedeutung der 3. Liga Tabelle ist folgende: Der Erstplatzierte am Saisonende wird Drittliga-Meister und steigt direkt in die 2. Liga auf. Auch der Zweitplatzierte darf direkt aufsteigen. Der Drittplatzierte muss in der Relegation gegen den Drittletzten der 2. Bundesliga antreten, um den Aufstieg oder Verbleib in der Liga zu entscheiden.