Familienstreit eskaliert: Ehemaliger Nationalspieler gesteht Messerangriff auf Verwandten
Amsterdam (Niederlande) – Bereits im Jahr 2023 wurde der niederländische Fußballprofi Quincy Promes (34) zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, da er angeblich einen Familienangehörigen mit einem Messer attackiert und am Bein verletzt haben soll. Bislang hatte er zu den Anschuldigungen geschwiegen, doch nun bricht der 50-fache Nationalspieler sein Schweigen und räumt die Tat ein.
Mit einem neuen Anwaltsteam hat Promes, der 2025 von Dubai in die Niederlande ausgeliefert wurde und seither gegen seine Haftstrafe kämpft, seine Verteidigungsstrategie angepasst.
Im Rahmen der ersten Anhörung seines Berufungsverfahrens ließ der 34-Jährige laut „De Telegraaf“ über seine Anwälte mitteilen, dass er 2020 während einer Familienfeier „einmal mit einem Taschenmesser zugestochen“ habe.
Dem Vorfall sei ein Streit um entwendeten Familienschmuck vorausgegangen, die Situation sei unübersichtlich gewesen. Promes habe in einem „plötzlichen Gefühlsausbruch“ gehandelt und berufe sich auf Notwehr, erklärte Carry Knoops, Rechtsbeistand des ehemaligen Oranje-Spielers. Zur Klärung seines psychischen Zustands vor der Tat soll ein forensischer Gutachter hinzugezogen werden.
Ursprünglich wurde berichtet, dass das Opfer Promes’ Neffe sei, doch diese Darstellung wies die Anwältin zurück. Es handele sich vielmehr um einen entfernteren Verwandten.
Neben der Haftstrafe wegen des Messerangriffs wurde Promes 2024 zudem zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt, weil er am Drogenhandel beteiligt gewesen sein soll. Das Gericht befand ihn schuldig, in den Schmuggel von 1300 Kilogramm Kokain von Brasilien nach Antwerpen verwickelt gewesen zu sein.
Auch gegen dieses Urteil legt der Niederländer aktuell Berufung ein. Seine Verteidiger betonten, dass er mit dem Kokainhandel „überhaupt nichts zu tun“ habe.
Das bisherige Schweigen des ehemaligen Profis begründete sein neues Anwaltsteam damit, dass Promes jegliches Vertrauen in die Justiz verloren habe und deshalb nicht kooperierte.
Bei seinem ersten Prozess 2023 war er wegen Verpflichtungen bei Spartak Moskau nicht anwesend, auch bei der zweiten Verhandlung fehlte er. Im Jahr 2024 wurde er schließlich in Dubai festgenommen, nachdem er in einen Autounfall verwickelt war.
In Dubai sei Promes wie ein Hund behandelt worden, er habe Folter befürchten müssen. „Er war überzeugt, dass man ihn psychisch brechen wollte“, berichtete Knoops. Aus diesem Grund habe er geschwiegen und von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch gemacht.
Der 34-Jährige macht die niederländische Justiz für seine Behandlung verantwortlich und wirft ihr vor, alles daran gesetzt zu haben, ihn als Schwerverbrecher darzustellen.