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Nach Pleite bei Havelse: Aue steckt in der Krise – Fans konfrontieren Spieler direkt auf dem Spielfeld

Hannover/Aue – Um Gottes Willen, Erzgebirge Aue! Am Freitagabend ließ die Mannschaft von Trainer Jens Härtel beim TSV Havelse wichtige Punkte liegen. Nach einer Führung zur Halbzeit verpassten es die Veilchen, die Chancen zum 2:0 zu nutzen. Stattdessen verfiel das Team in einen lethargischen Zustand und ermöglichte dem Aufsteiger, das Spiel zu drehen. Die sogenannten „Schlawiner“, wie der Tabellen-18. auch genannt wird, nahmen diese Gelegenheit dankbar an und besiegten Aue mit einem bitteren 3:1 (0:1).

Härtel nutzte alle Möglichkeiten, um sein Team zu formieren. Martin Männel kehrte ins Tor zurück, und vorne setzte der Trainer erstmals auf eine Doppelspitze, indem er den Neuzugang Vincent Ocansey neben Marcel Bär aufbot.

Die Leihgabe von Arminia Bielefeld zeigte sich sehr engagiert, ließ sich immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen, sicherte Bälle und war im Angriff an den entscheidenden Situationen der ersten Halbzeit beteiligt.

Mika Clausen, der früh umgeknickt war und verletzungsbedingt zur Pause ausgewechselt werden musste, trug maßgeblich zum Tempogegenstoß bei, den er im Zusammenspiel mit Fabisch einleitete.

Ihr Angriff wurde nach links verlagert zu Marvin Stefaniak, der zuvor kaum auffiel, aber von Jamilu Collins hervorragend unterstützt wurde, sodass dieser eine Flanke anbringen konnte. Ocansey startete zentral, war jedoch eine Spur zu früh dran und erreichte Collins’ Pass nicht im Lauf, sondern nur an die linke Hacke.

Kurz vor dem Pausenpfiff kämpften sich die Veilchen energisch an der Eckfahne durch und erspielten sich eine Ecke. Stefaniak brachte den Ball in den Strafraum, wo Ocansey die Abwehr beschäftigte, sodass Clausen unbedrängt abschließen konnte. Fabisch (45.+1) traf per Direktabnahme und überwand Torhüter Tom Opitz – 1:0.

Diese wichtige Führung in einem richtungsweisenden Spiel! Direkt nach dem Seitenwechsel hätte Aue fast nachgelegt, als Opitz seinen Kasten verließ, aber die Situation nicht entscheidend klären konnte. Bär (49.) hatte allerdings keine Chance, ins verwaiste Tor einzuschießen.

Luan Simnica (53.), der für den angeschlagenen Clausen eingewechselt wurde, vergab die nächste Großchance, als er knapp links vorbeischoss. Gerade bei den schwierigen Bodenverhältnissen hätte das zweite Tor Aue enorm geholfen.

Die emotionale Beteiligung aller im „Veilchen“-Lager spiegelte sich auch auf der Trainerbank wider. Sportdirektor Michael Tarnat suchte nach einem vermeintlichen Foul von Fabisch kurz den Dialog mit Havelses Coach Samir Ferchichi und erhielt dafür vom Schiedsrichter Cengiz Kabalakli die Gelbe Karte.

Ein Teil dieser Leidenschaft an der Seitenlinie hätte Aue auch auf dem Spielfeld gut zu Gesicht gestanden. Stattdessen geriet das Team in Passivität und überließ den Gastgebern das Spiel. Die nutzten das dankend aus und glichen durch Nassim Boujellab (74.) im Gewühl aus.

Wie konnte es passieren, dass die Veilchen einem eigentlich völlig harmlosen Gegner so viel Raum ließen?

Trainer Härtel tat der Zustand seines Teams richtig leid, besonders angesichts der einfachen Fehler, wie sie Simnica unterliefen: Er verlor den Ball im Vorwärtsgang und konnte anschließend im Strafraum nicht sauber klären, wodurch Havelse durch Lorenzo Paldino (81.) die Führung schenkte.

Robin Müller (90.+6.) nutzte schließlich einen Konter gegen die weit aufgerückten Gäste zum endgültigen 3:1. Die Erkenntnis nach diesem Abend: Mit einer solchen zweiten Halbzeit ist der Klassenerhalt nicht zu schaffen!

Nach Abpfiff stellten die aufgebrachten Fans ihre Spieler unmittelbar auf dem Spielfeld zur Rede.

3. Liga Tabelle

Die Tabelle der 3. Liga hat folgende Bedeutung: Wer am Saisonende auf Platz 1 steht, ist Meister der 3. Liga und steigt direkt in die 2. Bundesliga auf. Auch der Zweitplatzierte steigt ohne Umweg auf. Der Dritte spielt in einer Relegation gegen den Drittletzten der 2. Liga um den Aufstieg beziehungsweise den Verbleib.