Vergangene Verdienste haben keinen Stellenwert mehr: Cottbus und Wollitz schalten in den Aufstiegsmodus
Cottbus – Was verbindet Timmy Thiele (34), Dennis Slamar (31) und Tim Campulka (26)? Diese drei Spieler von Energie Cottbus zählen zu den Aufstiegshelden und früheren Leistungsträgern des Vereins. Doch ihre bisherigen Erfolge sichern ihnen heute keinen festen Platz im Team mehr.
„Wenn ein Spieler krank oder verletzt ist, kommuniziere ich das offen“, erklärte Energie-Coach Pele Wollitz (60) nach dem Unentschieden gegen Mannheim (1:1) gegenüber TAG24 und begründete damit das Fehlen von Campulka und Thiele im Kader.
Das bedeutet im Klartext, dass aktuell rund 20 andere Spieler besser abschneiden als der Innenverteidiger und der Mittelstürmer.
Diese Entscheidung kam auf den ersten Blick überraschend, da Campulka und Thiele bislang stets zum Kader gehörten und meist auch in der Startelf standen.
Mit Energie haben sie nicht nur den Aufstieg aus der Regionalliga geschafft, sondern sich auch in der höheren Liga gut behauptet.
Die beiden stehen sinnbildlich für den neuen Kurs von Wollitz: Die Vergangenheit zählt nicht mehr. Das mussten auch Dennis Slamar (31) erfahren, der seit Monaten lediglich auf der Tribüne sitzt.
Nach Informationen von TAG24 haben sich die drei Spieler nichts zu Schulden kommen lassen, sondern sind „Opfer“ der starken Konkurrenz und von Neuzugängen, die sie sportlich abgehängt haben.
Lange wurde Wollitz vorgeworfen, er bevorzuge seine Lieblingsspieler, nun aber setzt er das Leistungsprinzip konsequenter um als je zuvor.
Bereits vor Weihnachten hatte der erfahrene Trainer angekündigt, „harte Entscheidungen“ zu treffen. Zum Rückrundenstart traf es unter anderem den bisherigen Stammspieler Dominik Pelivan (29), der eine schwächere Vorbereitung absolvierte als der junge Lukas Michelbrink (20).
Auch für Eigengewächs und Talent Elias Bethke (22) war in der Winterpause sportlich kein Platz mehr – Marius Funk (30) hatte sich als neue Nummer eins etabliert und keine Zweifel an seiner Position zugelassen.
Theo Ogbidi (24) verließ Cottbus sieben Monate nach seiner Verpflichtung, da er sportlich keine Perspektive mehr besaß.
Der neue Kurs birgt gleichermaßen Chancen und Risiken: Während man in der Vorsaison den Eindruck hatte, das Team habe sein Limit erreicht und sei sogar darüber hinausgewachsen, bietet der aktuelle Kader trotz der Tabellenführung noch mehr Entwicklungsmöglichkeiten.
Die erhöhte Konkurrenz zwingt jeden Spieler, sich weiter zu steigern und um seine Zukunft zu kämpfen. So standen Campulka und Thiele beim Rückrundenauftakt immerhin noch in der Startformation.
Gleichzeitig schrumpft der Anteil der Aufstiegshelden im Kader zunehmend, was bei einigen Fans und Verantwortlichen schmerzlich wahrgenommen wird. Mit ihrem Schwinden geht auch ein Stück Identität, Verbundenheit und Geschichte verloren.
Cottbus hat endgültig den Profi-Modus eingeschaltet, in dem für sentimentale Gefühle kaum Raum bleibt.
Durch diese Ausrichtung gewinnt die Mannschaft neue Impulse und einen externen Entwicklungsschub. Spieler wie Mladen Cvjetinovic (22) und Tolga Cigerci (34) wären wohl kaum zum Verein gestoßen, wenn Energie in der Tabelle nur auf Platz zehn stehen würde.
Dennoch muss Wollitz trotz seines großen Engagements für den Aufstieg und des strikten Leistungsprinzips darauf achten, das Gesicht der Mannschaft nicht zu schnell zu verändern, um den Rückhalt innerhalb des Teamkerns nicht zu gefährden.