Alles deutet auf Abschied hin: Wird Timmy Thiele in Cottbus noch einmal zum Einsatz kommen?
Cottbus – Eigentlich hätte dies der große Moment für Timmy Thiele (34) werden können – gerade vor dem wichtigen Duell beim MSV Duisburg (Sonntag, 13.30 Uhr) wackelt Energie-Torjäger Erik Engelhardt (28). Doch Thiele fällt krankheitsbedingt aus.
Bereits seit zwei Wochen fehlt er im Training, zuletzt stand der erfahrene Spieler Ende März beim 1:1 gegen Ulm auf dem Platz.
Und sollte es für Thiele schlecht laufen, wird er das Trikot von Cottbus möglicherweise gar nicht mehr tragen.
Sportlich sieht es für ihn nämlich schlecht aus, er ist inzwischen nur noch die dritte Option. An Engelhardt mit seinen 21 Saisontoren führt kein Weg vorbei. Dahinter hat sich Ted Tattermusch (24) durch großen Trainingsfleiß in Stellung gebracht und, wenn man den Worten seines Trainers Glauben schenkt, sportlich sogar an Thiele vorbeigezogen.
Deshalb spielt der Aufstiegsheld von 2024 derzeit nur eine Nebenrolle. Schon vor Wochen stellte Trainer Pele Wollitz (60) unmissverständlich klar: „Ich nehme keine Rücksicht auf Namen.“
Vor allem war damit Thiele gemeint, der im Saisonfinale 2024 gegen Herthas U23 gelbgesperrt und auf der Zuschauertribüne bei den Fans stand. Dieses Bild prägte sich ein, Thiele avancierte zum Volkshelden und wurde kürzlich zum Lausitz-Botschafter ernannt.
Doch all der Ruhm konnte ihn nicht vor schwierigen Entscheidungen bewahren. Sein Ansehen nahm ab, auch weil er aufgrund der weiten Anreise aus Wandlitz (nördlich von Berlin) immer wieder mal beim Training fehlte.
Das war schon in der Vorsaison der Fall, wurde aber erst in dieser Saison, in der Thiele nicht mehr traf, zum echten Problem. Zudem stören sich einige Mitspieler an seiner manchmal impulsiven und negativen Art.
Bei den Verantwortlichen verlor er auch an Vertrauen, nachdem er nach dem enttäuschenden Saisonende 2025 – als Thiele auf dem Platz Tränen vergoss – erst einen (lange geplanten) Familienurlaub antrat und sich erst danach einer Knie-Operation unterzog.
Das hatte zur Folge, dass er die Vorbereitung verpasste, in dieser Spielzeit nicht mehr so spritzig und dynamisch wirkte wie im Vorjahr und kaum noch in aussichtsreiche Torpositionen kam.
Zwischenzeitlich hatte Wollitz extra das System auf ein 4-4-2 mit Raute umgestellt, um Thiele mehr Einsatzzeit zu ermöglichen. Im Januar äußerte Wollitz jedoch sichtlich enttäuscht: „Ich verstehe nicht, warum wir mit zwei Stürmern spielen.“
Niemand kann die Gedanken des Spielers lesen, doch möglicherweise hat der verpasste Aufstieg im Vorjahr – Thieles großes Ziel – ihm im Spätherbst seiner Karriere stärker zugesetzt, als alle zugeben wollen.
Vielleicht spürte er auch das fehlende uneingeschränkte Vertrauen der Klubführung oder vermisste Perspektiven für sich selbst.
Parallel dazu baute der kluge Kopf abseits des Spielfelds ein zweites und sogar drittes Standbein auf: Er verdient bereits Geld mit einer eigenen Modekollektion und dem Vertrieb von Wasserfiltern.
In diesem Zusammenhang sorgten Thieles Aktivitäten in den sozialen Medien bei zumindest einem Verantwortlichen für Irritationen. Besonders sein Umgang mit sportlichen Rückschlägen und sein Fokus werden mittlerweile auch von einigen Fans kritisch gesehen.
Während Außenstehende oft nicht verstehen, warum Thiele nur noch eine Nebenrolle spielt und sich ein versöhnliches Ende oder ein Abschiedsspiel wünschen, sinken die Chancen darauf seit Wochen immer weiter.
Im Gegenteil: Nach Recherchen von TAG24 scheint ein Abschied zum Saisonende ohne großen Applaus immer wahrscheinlicher zu werden.