Riesiges Missverständnis: Albert Rieras gravierendste Patzer bei Eintracht Frankfurt
Von Christian Johner
Frankfurt am Main – Die Zusammenarbeit zwischen Albert Riera (44) und Eintracht Frankfurt entpuppte sich als äußerst missglückt. Nach nur dreieinhalb Monaten endet das Engagement des charismatischen Spaniers in der Mainmetropole bereits wieder. Der Trainer konnte weder sportlich noch in der Außendarstellung überzeugen.
In den vergangenen Wochen häuften sich beim SGE-Coach die Fehlentscheidungen und Fehltritte.
Hier eine kleine Auswahl bemerkenswerter Beispiele.
Unvergessliche Antrittsrede in Frankfurt
Mitte Februar übernahm Riera selbstbewusst und wortgewandt das Amt von Dino Toppmöller (45).
Er behauptete bei seiner ersten Bundesliga-Pressekonferenz, seine Spieler würden ihm sogar vom Balkon springen folgen, wenn er es anordne – so groß sei sein Einfluss.
„Vielleicht habe ich einen Zauberstab, aber glaubt mir, ich werde es schaffen. Meine Spieler werden mir folgen“, sagte der auf Mallorca geborene Trainer zu Beginn. Schnell zeigte sich jedoch das Gegenteil. „Ich habe hier wirklich alles. Es gibt keine Ausreden“, betonte Riera.
Taten ließen jedoch auf sich warten: Die Eintracht verpasste als Tabellenachter die Qualifikation für den Europapokal.
Mario Götze wird degradiert
Anfang April gab die SGE die Vertragsverlängerung mit dem Weltmeister-Finaltorschützen Mario Götze (33) bekannt – obwohl der erfahrene Mittelfeldspieler kurz zuvor für das Rhein-Main-Derby gegen Mainz 05 aus dem Kader gestrichen worden war.
„Wenn das Team ihn braucht – nicht Albert – dann haben wir kein Problem. Alle Spieler sind wichtig. Wenn wir Mario brauchen, werden wir ihn aufs Feld bringen“, erklärte Riera nach der bitteren 1:2-Niederlage in Mainz.
In Wahrheit setzte der Spanier Götze kaum ein: In den letzten zehn Partien stand der Routinier nur dreimal auf dem Platz.
Klare Kritik an Can Uzun
Auch mit Nachwuchstalent Can Uzun (20) geriet Riera aneinander.
„Er weiß, was er mit und ohne Ball zu tun hat. Wenn er das in die Mannschaft einbringt, dann wird er spielen. Das gilt für alle Spieler“, äußerte sich der 44-Jährige nach dem 2:2 gegen den 1. FC Köln – nachdem er Uzun im Spiel gegen die Kölner komplett außen vor gelassen hatte.
Der junge Profi antwortete mit starken Leistungen und erhielt in den letzten vier Saisonspielen regelmäßige Einsätze, die er mit zwei Treffern und einer Vorlage rechtfertigte.
Schelte für Europas schlechteste Abwehr
Rund zwei Monate nach Amtsantritt äußerte Riera überraschend Kritik am Zeitpunkt seiner Verpflichtung.
„Das Problem war nicht, dass wir die schlechteste Mannschaft der Bundesliga waren, sondern dass wir in Sachen Gegentore die schlechteste Abwehr Europas hatten“, sagte er Anfang April nach dem enttäuschenden Remis gegen Köln und ergänzte: „Als ich am 1. Februar kam, waren wir wirklich die schlechteste Mannschaft Europas.“
Zwar gelang es Riera, die Defensive zunächst zu stabilisieren, in den letzten acht Spielen blieb Frankfurt jedoch kein einziges Mal ohne Gegentor. Die Abwehr wirkte weiterhin so anfällig wie unter seinem Vorgänger Toppmöller.
Streit mit Jonathan Burkardt
Offenbar gab es auch Unstimmigkeiten zwischen Riera und Stürmer Jonathan Burkardt (25). Medienberichten zufolge störte sich der Trainer an den vermeintlich zu hohen Körperfettwerten des Angreifers.
Allerdings soll Riera das Thema nicht persönlich mit Burkardt besprochen, sondern Co-Trainer Jan Fießer (39) vorgeschickt haben – was dem Spieler überhaupt nicht gefiel. Kürzlich wurde Burkardt aus disziplinarischen Gründen mit einer Geldstrafe belegt.
Berichten zufolge soll der Angreifer den Trainer beleidigt haben. Zuletzt bemühte sich Riera jedoch um Versöhnung.
Vor dem letzten Spieltag gegen den VfB Stuttgart bezeichnete Riera Burkardt als „netten Charakter“. Beim 2:2-Unentschieden erzielte der 25-Jährige beide Treffer für die Eintracht.
Medienkritik in alle Richtungen
Im Zusammenhang mit den Berichten über den Konflikt mit Burkardt reagierte Riera mit scharfer Kritik an den Medien.
„Das ist kompletter Unsinn“, kommentierte er die Schlagzeilen zum Streit mit dem Nationalspieler und betonte: „Das hier ist kein Zirkus, sondern ein professioneller Fußballverein.“ Der Spanier sprach von „viel Gift“ rund um den hessischen Klub.
„Berichtet doch bitte korrekt und verbreitet keine Lügen, damit nicht jeder denkt: ‚Was ist das denn für ein Zirkus bei Eintracht Frankfurt?‘“ Dass die Geldstrafe öffentlich wurde, ärgerte Riera zwar nicht, machte ihn aber traurig.
Er verglich die Berichterstattung mit der öffentlichen Diskussion über sein Frühstück oder seine Vorliebe für Tee oder Kaffee.