„Ulm darf man nicht so einladen!“: Dotchevs Erfolg erhöht den Druck auf Aues Nachfolger Härtel
Aue – Pavel Dotchev (60) lieferte am Samstag deutliche Belege dafür, warum unter seiner Leitung der Klassenerhalt für den SSV Ulm realistisch erscheint. Jens Härtel (56) hingegen steht nach dem kläglich verlorenen 0:3 (0:0) am kommenden Freitag auswärts bei Havelse enorm unter Druck, da ihm sonst allmählich die Argumente fehlen werden, warum Erzgebirge Aue die Wende noch schaffen soll.
Torjäger Marcel Bär (33) berichtete von den Gesprächen im Team nach dem enttäuschenden Auftritt: „In der zweiten Halbzeit sind wir ein Stück weit auseinandergefallen. Das darf einfach nicht passieren. Man muss strukturiert weiterspielen und darf Ulm nicht derart einladen!“
In der Anfangsphase präsentierte sich Aue gegen den deutlich verunsicherten Vorletzten durchaus präsent und musste eigentlich früh in Führung gehen. Chancen wie jene von Mika Clausen (23) blieben allerdings erneut ungenutzt.
Hinzu kam, dass drei Spieler aus Ulms Abwehrreihe noch vor der Pause mit Gelb verwarnt wurden. Dadurch fehlte der nötige Druck, um auf dem schwierigen Untergrund im intensiven Spielverlauf eine mögliche Ampelkarte beim Gegner zu erzwingen.
Dotchev analysierte rückblickend: „Beim Anlaufen hatten wir nicht den nötigen Zugriff, die Wege waren zu lang, wir waren immer einen Hauch zu spät und hatten keinen Zugriff. So hat uns Aue in der ersten Halbzeit das Leben schwer gemacht.“
Doch Aue zog daraus keinen Nutzen. „Fußball ist ein Ergebnissport. Wir hätten durch unsere Chancen mit 2:0 in die Pause gehen müssen“, stellte Bär klar.
Dotchev veränderte seine Taktik, Ulm überstand die erste Halbzeit mit einem 0:0 und zeigte nach dem Seitenwechsel ein völlig anderes Gesicht.
„In der Halbzeit haben wir genau besprochen, wie wir auftreten wollen. Die zweite Hälfte hatte dann einen komplett anderen Charakter, da wir ein kompakteres Mittelfeld und besseren Zugriff hatten“, erklärte der 60-jährige Bulgare, der seinen früheren Verein so in die Knie zwang.
Auf der Gegenseite sah man das folgendermaßen: Bär erläuterte: „Ulm baute dann mit drei Spielern auf, was wir zu Beginn nicht kontrollieren konnten.“ Diese Überlegenheit nutzten die Spatzen für ihren Doppelschlag durch Marcel Seegert (48.) und den fleißigen Mirnes Pepic (54.), der zuvor bereits als Vorlagengeber glänzte. Hinzu kam die rote Karte für Ryan Malone (64.), der Pepic an der Mittellinie rüde zu Boden brachte – das riss Erzgebirge Aue komplett den Boden unter den Füßen weg.
„Wenn du innerhalb weniger Minuten zwei Gegentore kassierst, trifft dich das, besonders zu Hause und wenn du dir so viel vorgenommen hast vor einem wichtigen Spiel. Da sinken leider die Köpfe. Die rote Karte war dann noch das Sahnehäubchen, danach war das Spiel entschieden“, erklärte Bär.
Dotchev zeigte sich im Anschluss überzeugt, dass der FCE den Klassenerhalt schaffen wird und wünschte sich, dass sowohl Aue als auch Ulm in der kommenden Saison 3. Liga spielen. Allerdings muss die Mannschaft von Härtel am Freitag in Havelse wieder punkten...