zurück

FC St. Pauli: Warum Hauke Wahl keine Angst vor dem Abstiegskampf hatte

Hamburg – Was für eine eindrucksvolle Rückkehr! Nach drei Spielen auf der Bank stand Hauke Wahl (31) am Sonntag wieder für den FC St. Pauli auf dem Feld und erzielte beim 2:1-Erfolg gegen Werder Bremen sogar ein Tor. Ein Stadionbesuch zuvor hatte ihn zusätzlich motiviert.

Wahl hatte in den letzten Wochen eine schwierige Zeit hinter sich. Eine Innenbandzerrung hatte ihn außer Gefecht gesetzt. Umso bemerkenswerter war seine starke Leistung im entscheidenden Abstiegsspiel am Sonntag. „Es war keine Überraschung, dass er so aufspielte. Für mich wirkte es nicht, als wäre er mehrere Wochen ausgefallen“, lobte ihn Trainer Alexander Blessin (52).

Die Rückkehr von Wahl und auch von Eric Smith (29) sendete ein wichtiges Signal, denn beide gehören zu den Führungsspielern im Team. Über die Bedeutung der Partie waren sie sich im Vorfeld bewusst.

„Wir hatten nur den Sieg im Blick. An ein Verlieren haben wir nicht gedacht, wir hatten richtig Lust auf dieses Spiel“, erklärte Wahl, der sich sicher war, dass nichts schiefgehen würde. „Ich denke, das konnte man heute deutlich sehen.“

Ganz anders präsentierte sich die Stimmung noch vor wenigen Wochen im enttäuschenden Derby gegen den HSV, bei dem beiden Mannschaften eine gewisse Angst anzumerken war. Gegen Bremen zeigte St. Pauli jedoch eine deutlich andere Einstellung. „Wir wollten einfach unbedingt gewinnen. Wir wissen, dass wir noch besser spielen können, aber ich glaube, der Sieg war verdient. Jetzt freuen wir uns erst einmal über die so wichtigen drei Punkte.“

Wahl selbst trug mit dem glücklichen Führungstreffer und seiner starken Leistung auf dem Platz zum Erfolg bei. „Die Flanke war nicht besonders präzise. Das war schon mal suboptimal. Ich hatte das Gefühl, ich schwebte drei Meter über dem Boden, wahrscheinlich war es eher wie ein Stück Zeitung“, schilderte er die Szene zum 1:0.

„Aber ich habe den Ball gut getroffen, hatte allerdings keine richtige Power dahinter, weil ich zu weit vom Tor entfernt war. Ehrlich gesagt, hatte ich nicht erwartet, dass der Ball noch reingeht. Erst war ich eher überrascht als erfreut, das muss ich zugeben.“

Schließlich gewann St. Pauli mit 2:1 und tauschte damit die Tabellenplätze mit Werder. Die Kiezkicker konnten sich erneut auf den starken Rückhalt ihrer Fans verlassen. „Wenn wir so spielen, dass wir die Zuschauer mitnehmen, ist es extrem schwer für die Gäste hier“, weiß Wahl. „Das haben wir in den letzten Heimspielen sehr gut umgesetzt. Wenn die Begeisterung vom Spielfeld auf die Fans überspringt, ist das einfach großartig.“

Wahl weiß genau, wovon er spricht. Beim 2:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart vor zwei Wochen saß er selbst auf der Tribüne. „Das war für mich ungewohnt, aber was die Jungs auf dem Platz gezeigt haben, war einfach nur fantastisch“, so Wahl.

Auch wenn er nicht auf dem Spielfeld stand, unterstützte er seine Mannschaft von den Rängen aus lautstark. „Nach dem Spiel bin ich nach Hause gegangen, heiser, und habe gefühlt jedes Lied mitgesungen, weil es einfach so viel Spaß gemacht hat“, erinnerte er sich. „Ich bin dann zu meiner Familie gegangen und habe gesagt: Genau das möchte ich später einmal erleben – mit ihnen ins Stadion kommen, solche Momente teilen und mit einem Glücksgefühl nach Hause gehen.“