Packendes Eishockey-Spektakel bei frostigen -9 Grad! Winter Game sorgt mit 32.000 Zuschauern für heiße Atmosphäre
Dresden – Zwei Stunden vor Anpfiff am Rudolf-Harbig-Stadion waren bereits 18 unterschiedliche Eishockey-Trikots zu sehen. Man stelle sich das mal beim Fußball vor – da gäbe es sicherlich die ein oder andere Reiberei.
Doch hier herrschte friedliche Einigkeit. Beim frostigen Winter Game zwischen Dresden und Berlin (2:3 nach Verlängerung) wurde gemeinsam ein großes Fest gefeiert.
Fans aus Crimmitschau, Weißwasser, Selb, Regensburg, Weiden, Bayreuth, Köln, Kassel, Leipzig, Karlsbad, Litvinov und vielen weiteren Orten waren vertreten. Natürlich durften auch die Anhänger der Eisbären und Eislöwen nicht fehlen.
Ein bunt gemischtes Publikum füllte die Ränge und sorgte für eine unvergleichliche Stimmung. Nur eines war ungewöhnlich: Die „Dynamo“-Rufe kamen diesmal nicht aus dem K-Block, sondern aus dem Gästebereich, wo die Berliner Fans ihre Plätze hatten.
„Normalerweise bin ich in Crimmitschau beim Eishockey. Aber diesmal wollte ich das einfach mal live erleben“, berichtete Enrico Wagner, der extra aus der Nähe von Zwickau angereist war. „So ein Event in einem Fußballstadion vor 32.000 Zuschauern sieht man nicht alle Tage. Es war fantastisch. Alles hat gestimmt, die Anreise hat sich definitiv gelohnt“, zeigte sich Wagner begeistert.
An diesem Abend war eben vieles anders – und zugleich beeindruckend. So verkündete Eislöwen-Gesellschafter und Investor Jens Hewald vor laufenden TV-Kameras die Starting Six der Dresdner – ein seltener Einblick hinter die Kulissen.
Auch als der Star-Tenor René Pape vor dem Spiel die deutsche Nationalhymne anstimmte, kroch den Zuschauern eine Gänsehaut über den Rücken. Im gesamten Stadion wurde mitgesungen. Anschließend präsentierten die Fans der Eisbären in ihrem Bereich eine eindrucksvolle Choreografie.
Der Eishockey-Club Dynamo Berlin, gegründet 1954, zeigte sich in den Vereinsfarben Blau, Weiß und Rot. Der Berliner Fanblock war deutlich lauter wahrzunehmen. Dass bei den Eislöwen Teile der aktiven Fangemeinschaft fehlten, fiel hingegen auf – oder besser gesagt: Es war eher still auf ihrer Seite.
Absolut hart gesotten zeigte sich Olaf Schubert, der in der ersten Drittelpause in nur Pullunder und Pudelmütze bei minus 9 Grad aufs Eis ging – ein schlanker Mann, der kaum zu frieren schien.
„Jemand hat mich gerade gefragt, ob mir kalt sei. Wie soll ich darauf antworten, wenn ich meinen Körper schon seit drei Stunden nicht mehr richtig spüre?“, scherzte er. Dabei zog er auch einen Vergleich der Städte: „Dresden, die Stadt, die niemals schläft. Berlin, die Stadt, die niemals richtig funktioniert.“
Seinen beiden Mannschaften wünschte er noch viel Erfolg. „Mir ist egal, wer gewinnt. Hauptsache Dresden.“
Ach ja, und noch etwas: Bei der immer wieder in den Pausen gezeigten Kiss-Cam kam es zu keinem Skandal. Alles lief reibungslos ab in der „Welt-Hauptstadt des Eishockeys“, wie es der Stadionsprecher nannte – zumindest an diesem bezaubernden Abend.