Wie eine junge Mutter zur respektierten Kickboxerin avancierte
Dresden – Für viele Menschen Ende 20 wächst der Druck, bereits solide Grundlagen für ihr weiteres Leben geschaffen zu haben – sei es der Traumjob, eine Partnerschaft oder die Familie. Während einige dieses Ziel erreicht haben, herrscht bei anderen große Unsicherheit. Die Dresdnerin Caroline Müllner (39) zeigt jedoch, dass festgefahrene Lebenswege keineswegs das Ende bedeuten müssen.
Ursprünglich stammt Caroline aus Freiberg, zog jedoch während ihrer Schulzeit nach Chemnitz, wo sie eine besondere Leidenschaft entdeckte: das Kickboxen. Bereits mit 14 Jahren widmete sie sich dem Sport intensiv – allerdings aus einem traurigen Anlass. „Mein damaliger Partner hat mich über längere Zeit misshandelt“, erzählt Caroline offen.
Mehr als zwei Jahre arbeitete sie an ihrer Technik, bis sie sich aus beruflichen Gründen von ihrem Hobby trennen musste. „Nach meinem Schulabschluss begann ich eine Ausbildung zur Altenpflegerin.“ Über zwanzig Jahre lang betreute sie hilfsbedürftige Menschen und war im Schichtdienst tätig.
Kurz vor ihrem 40. Geburtstag entschied sie sich für einen radikalen Neuanfang – rückblickend eine der besten Entscheidungen ihres Lebens. „Vor zwei Jahren habe ich mein Leben komplett umgekrempelt: Ich machte mich selbstständig und widme mich endlich wieder meiner damaligen Leidenschaft.“
Entscheidend für diesen Schritt waren ihre beiden Kinder, ein Sohn (13) und eine Tochter (7), die sie während ihres Schichtdienstes kaum sah. Caroline gab ihren bisherigen Beruf auf – ein Risiko, das sich lohnte: „Jetzt habe ich viel mehr Zeit für meine Kinder.“
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Auch sportlich hat sich bei der zweifachen Mutter viel verändert. Sechs Tage die Woche trainiert sie zweimal täglich im Fitnessstudio „TAO FIT“. Ihre Disziplin hat sich ausgezahlt: Im Oktober gewann sie die Deutsche Meisterschaft der WKU in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm. Es folgten weitere Auszeichnungen.
Obwohl sie einen erfolgreichen Neuanfang geschafft hat, sieht sie sich seit ihrer Jugend mit harscher Kritik konfrontiert. „Als ich meinen Abschluss machte, sagte meine Lehrerin: ‚Aus dir wird eh nichts‘ – ich würde ihr heute nur zu gern begegnen.“
Doch Caroline ließ sich nicht entmutigen. Sie besiegte ihre damalige Drogensucht und entkam einer gewalttätigen Beziehung. Heute möchte sie anderen Mut machen und zeigen, dass Veränderung möglich ist.