Dresdner Extremschwimmer nimmt sich die Donau vor: Von Deutschland bis zum Schwarzen Meer!
Dresden – Joseph Heß verbindet eine große Leidenschaft mit einer klaren Mission. Der Extremschwimmer plant, im Sommer die Donau zu durchqueren, dabei 2850 Kilometer zu schwimmen und Wasserproben zu sammeln, um die erste umfassende Mikroplastikkarte Europas zu erstellen. Warum? Weil er es kann und die Wissenschaft ihm am Herzen liegt. Die Donau ist nach der Wolga der zweitwasserreichste Strom Europas und versorgt täglich Millionen Menschen mit Trinkwasser. Lesen Sie hier, wie der Dresdner sich auf dieses gewaltige Vorhaben vorbereitet.
Zunächst war da die Elbe (2017: über 620 Kilometer in 12 Tagen), dann der Rhein (2022: 1232 Kilometer in 25 Tagen) – und jetzt die Donau. Offensichtlich wachsen die Herausforderungen mit jedem Projekt, um Joseph Heß’ Abenteuerlust und Ehrgeiz zu befriedigen.
"Ja, das stimmt schon irgendwie", gibt er zu. "Die Donau soll allerdings der krönende Abschluss meiner Flussdurchquerungen werden. Danach möchte ich nur noch kürzere, familienfreundliche Strecken schwimmen, etwa den Ärmelkanal. Das lässt sich gut mit einem Urlaub mit meiner Tochter verbinden", erklärt der Extremschwimmer, der Vater einer zweijährigen Tochter ist.
Für sein Donauprojekt hat der sympathische Wirtschaftsingenieur insgesamt 60 Tage eingeplant.
Sein Ziel ist es, täglich acht bis zehn Stunden oder sogar länger im Wasser zu verbringen, um die Strecke vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer in der vorgegebenen Zeit zu bewältigen.
Jeden Morgen die aktuellsten Nachrichten direkt in dein Postfach.
Joseph Heß zeichnet sich durch eine fast schon übermenschliche Willenskraft aus, die ihm sowohl beim Schwimmen als auch bei der Sponsorensuche, der Begleitung des Projekts und dem Umgang mit den Behörden entlang der Donau zugutekommt. Bereits vor einem Jahr begann er mit dem langwierigen Genehmigungsverfahren, das für eine solche Langstrecken-Expedition nötig ist – denn alle Anrainerstaaten müssen individuell kontaktiert werden.
Heß erklärt: "Mein Sicherheitskonzept sieht vor, dass mich beim Schwimmen stets ein kleines Motorboot sowie ein Kajak begleiten." Während der gesamten Tour wird ein Wohnmobil als mobiles Hotel für ihn und sein Team dienen.
"Das hat sich bewährt, denn nach dem Schwimmen ist mein Arbeitstag noch lange nicht vorbei. Neben der Mikroplastik-Kartierung beschäftigen wir uns auch mit wissenschaftlichen Fragestellungen in der Sportpsychologie. Die Universität Leipzig ist dabei mein Kooperationspartner", berichtet Joseph Heß mit leuchtenden Augen voller Vorfreude.
Neoprenanzüge: Joseph Heß nimmt mehrere Modelle mit verschiedenen Materialstärken (1,5 mm bis 8 mm) mit. Jeden Tag entscheidet er neu, welchen Anzug er trägt, je nach Wassertemperatur und seinem persönlichen Wohlbefinden. Auch ohne Neoprenanzug und nur in der Badehose steigt er zeitweise in die Donau. "Dann muss aber alles genau passen", sagt er.
Badekappe: Sie dient als Schutz vor Wärmeverlust über den Kopf und gleichzeitig als Werbefläche.
Boje: Im Wasser zieht Heß stets eine auffällig orangefarbene Boje hinter sich her, um besser sichtbar und leichter ortbar zu sein.
Vaseline: Um Hautreizungen durch den Neoprenanzug zu vermeiden, trägt er täglich großzügig Vaseline auf – besonders an empfindlichen Stellen wie Hals, Achseln und Beinen.
Ohrstöpsel: Aus Silikon gefertigt, schützen sie die Ohren vor Entzündungen, die durch verschmutztes Flusswasser entstehen können, und halten sie warm.
Lieblingsschwimmbrille: Schützt seine Augen vor Reizungen und Entzündungen.
Medikamentenbox: Gut gefüllt mit Mitteln gegen Durchfallerkrankungen – von Aktivkohle bis zu Mineralien und Elektrolyten.
Die Dimensionen dieses Projekts lassen sich mit fünf Zahlen veranschaulichen:
Täglich fließen rund 4,2 Tonnen Mikroplastik durch die Donau – das entspricht dem Gewicht von etwa 42.000 Plastikflaschen.
Rund 18 Millionen Menschen leben entlang des Hauptverlaufs der Donau. Das Wasser des Flusses dient als Trinkwasserquelle für insgesamt 83 Millionen Menschen.
Die Donau durchquert zehn Länder von ihrer Quelle bis zur Mündung. Einheitliche Daten zur Wasserqualität gibt es bislang nicht. Um politische Maßnahmen zum Umwelt- und Wasserschutz zu ermöglichen, benötigt man jedoch verlässliche wissenschaftliche Grundlagen. Ohne diese Daten wird die EU keine Entscheidungen treffen.
Während seines Donauschwimmens möchte Joseph Heß mit seinem Team 250 Wasserproben entnehmen. Die Kosten pro Probe – inklusive Entnahme, Analyse und Auswertung – liegen bei über 300 Euro. Die unabhängige Forschungs- und Bildungseinrichtung Wasser 3.0 aus Karlsruhe übernimmt diese Arbeit. Das gemeinnützige Institut hat sich unter anderem darauf spezialisiert, Lösungen für wasserfreie Mikroplastik zu entwickeln. Wasser 3.0 und Joseph Heß sammeln weiterhin Spenden für dieses besondere Projekt (www.betterplace.org).
Die Donau misst insgesamt 2857 Kilometer.