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„Zu verwöhnt?“ Deutscher Darts-Profi diagnostiziert van Gerwens fehlende „Gier“ nach dem Absturz

Deutschland – Noch vor etwa zehn Jahren galt Michael van Gerwen (36) als das Maß aller Dinge im Darts und wurde als potenzieller Nachfolger des legendären Phil Taylor (65) gehandelt, der den Sport über Jahrzehnte dominierte. Doch mittlerweile will die „Green Machine“ einfach nicht mehr richtig in Schwung kommen. Ein deutscher Dartspieler hat nun einige Gründe dafür geliefert.

In der aktuellen Folge des Podcasts „Game On“ diskutieren Florian Hempel (35) und Elmar Paulke (55) genau diese Frage: Warum gelingt es „MvG“ seit geraumer Zeit nur selten, sein gewohnt hohes Niveau abzurufen?

„Er kämpft einerseits mit privaten Problemen, aber natürlich auch mit gesundheitlichen“, begann Hempel seine Analyse. „Gleichzeitig wird man durch Erfolge und finanziellen Wohlstand irgendwann verwöhnt – ich will nicht sagen, dass er satt ist –, aber es sorgt dafür, dass man ruhiger lebt und die letzten drei Prozent, also die Gier nach der nächsten Million oder dem nächsten Titel, einfach schwächer werden.“

Mittlerweile ist der dreifache Weltmeister auf Platz vier der Order of Merit zurückgefallen, während der 19-jährige Luke Littler längst als neuer Superstar der Szene gilt.

Im vergangenen Jahr trennte sich der Niederländer zudem von seiner Frau Daphne, mit der er zwei Kinder hat. Zudem hat er immer wieder mit Verletzungsproblemen aufgrund eines Karpaltunnelsyndroms im rechten Arm zu kämpfen, weshalb bereits eine Operation nötig war.

Früher habe van Gerwen den Dartssport gelebt und alles daran gesetzt, die Pfeile präzise ins enge Triple- oder Doppelfeld zu bringen, erklärten die Experten.

„Ich habe wirklich das Gefühl, ähnlich wie bei Dimitri Van den Bergh, dass es ihm schwerfällt, sein bestes Spiel abzurufen, wenn er nicht voll und ganz auf Darts fokussiert ist“, vermutete Paulke.

„Als Familienvater und Ehemann wird man natürlich abgelenkt, man muss den Blickwinkel erweitern“, führte der TV-Kommentator aus. „Ich glaube wirklich, dass es ihm nicht gelingt, beides unter einen Hut zu bringen.“

Hempel zog einen Vergleich zum amtierenden Weltmeister: „Er befindet sich an einem völlig anderen Lebensabschnitt als Littler, der bei seinen Eltern in einem großen Haus wohnt, wo alles perfekt organisiert ist – von der Wäsche bis zum Essen. Das ist ein ganz anderes Umfeld.“

Auch van Gerwens Selbstvertrauen habe darunter gelitten. Früher sei er zu Turnieren gereist und habe mit Aussagen wie: ‚Ich schlage hier jeden, die können mir alle gestohlen bleiben, die spielen alle auf drei Klassen niedrigerem Niveau‘, für Furore gesorgt. Das sei die typische MvG-DNA, so Hempel.

Ob van Gerwen in diesem Jahr wieder zurück in die Erfolgsspur findet, wollten beide nicht vorhersagen. Jedoch stellte der gebürtige Dessauer klar: „Er ist noch viel zu jung, um aufzuhören.“