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Nur Platz 13 in der Verfolgung: Warum das deutsche Biathlon-Talent trotzdem jubeln darf

Ruhpolding – Selina Grotian (21), Deutschlands Biathlon-Hoffnung, dürfte sich wohl selten so sehr über einen 13. Platz gefreut haben wie an diesem Sonntag in Ruhpolding. Tränen der Erleichterung flossen ihr im Ziel übers Gesicht. Mit dieser Platzierung in der Verfolgung sicherte sich die Athletin aus Garmisch-Partenkirchen kurz vor knapp ihren Startplatz für die Olympischen Winterspiele.

Mit dem 13. Rang erfüllte sie zum zweiten Mal die Qualifikationsanforderungen des Deutschen Skiverbandes für das Großereignis, das in drei Wochen in Mailand und Cortina in Italien beginnt.

„Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Das Rennen war am Ende sehr herausfordernd, aber ich bin unglaublich froh, dass ich es geschafft habe. Es ist eine große Erleichterung, dass der Kampf nun vorbei ist“, erklärte sie im ZDF-Interview.

Vor dem Heim-Weltcup lastete großer Druck auf ihr, da der Sportdirektor des DSV, Felix Bitterling, klarmachte, dass die endgültige Nominierung bereits in der kommenden Woche erfolgen würde und man eigentlich nicht mehr auf den Weltcup im tschechischen Nove Mesto warten wolle.

Der Saisonstart in Östersund war für Grotian mit einem 50. Platz im Einzel und Rang 30 im Sprint enttäuschend, was sich später durch eine Corona-Infektion erklärte.

Erst zu Beginn des neuen Jahres in Oberhof kehrte die 21-Jährige zurück, blieb aber mit Platz 30 im Sprint und Rang 23 in der Verfolgung hinter ihren eigenen Erwartungen zurück.

Vor Ruhpolding hatte Grotian betont, dass sie noch einige Wettkämpfe benötige, um wieder in ihren Rhythmus zu finden. In Bayern gelang ihr das rechtzeitig: Am Freitag wurde sie im Sprint 15., am Sonntag verbesserte sie sich auf Platz 13. Zwei Top-15-Ergebnisse waren die geforderte Bedingung für die Olympianominierung.

Damit dürfte das deutsche Damenteam endgültig feststehen. Bereits zuvor hatten Franziska Preuß, Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz, Vanessa Voigt und Anna Weidel die Qualifikationsnorm erfüllt. Weidel verzichtete jedoch auf einen Start in Ruhpolding.

Ursprünglich plante der DSV, nur fünf Athletinnen zu den Olympischen Spielen zu entsenden, obwohl sechs Startplätze in den Einzeldisziplinen zur Verfügung stehen. Doch schon vor dem Weltcup in Ruhpolding hatte Bitterling erklärt: „Sollte sich herausstellen, dass für die eine oder andere Sportlerin die Saison unglücklich verlief, sie aber großes Potenzial zeigt, werden wir eine sechste Athletin entweder von Anfang an mitnehmen oder später nachnominieren.“

Mit Grotian, die nun die Norm erfüllt hat, gibt es kein Vorbeikommen mehr an ihr – auch wenn sie noch nicht in Bestform ist. Die verbleibenden drei Wochen bis zum Auftakt der Wettkämpfe in Antholz kann sie sicherlich noch gut nutzen.

Als beste Deutsche in der Verfolgung belegte am Sonntag Franziska Preuß den siebten Platz. Den Sieg sicherte sich die Französin Lou Jeanmonnot vor der Schwedin Hanna Öberg und der Französin Camille Bened.

Julia Tannheimer kam auf Rang 23, Vanessa Voigt auf Platz 26, Sophia Schneider belegte Rang 44 und Janina Hettich-Walz wurde 48.