Herzmuskelentzündung und Panikattacken: Deutsche Biathletin reist dennoch zu den Olympischen Spielen
Ruhpolding – Vor etwa einem Monat erhielt Deutschlands Biathletin Johanna Puff (23) die ernüchternde Diagnose einer Herzmuskelentzündung. Trotz dieser schweren Nachricht berichtet die gebürtige Rosenheimerin von zwei Panikattacken und reist trotzdem zu den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina.
Allerdings wird sie dort nicht selbst an den Wettkämpfen teilnehmen, sondern ihren Freund Lukas Hofer (36), der für das italienische Biathlon-Team startet, bei seinen Heimrennen unterstützen.
Für die talentierte Sportlerin ist dies eine willkommene Abwechslung, denn seit der Diagnose Myokarditis hatte sie im Alltag erhebliche Einschränkungen zu verkraften. „Als Athletin ist es hart, wenn plötzlich alles wegfällt – selbst alltägliche Dinge, die nichts mit dem Training zu tun haben. Man darf wirklich nichts machen“, schildert sie im Gespräch mit Web.de.
Sie erinnert sich zurück an den beängstigenden Moment Mitte Dezember, als sie beim zweitklassigen IBU-Cup in Obertilliach, Österreich, an einem Anstieg plötzlich zusammenbrach.
„Ich spürte vor allem einen starken Druck auf der Brust und massive Atemnot. Ich war noch bei Bewusstsein, auch während des Transports mit den Notärzten. Ich erlitt zwei Panikattacken“, erzählt sie und fügt hinzu: „Danach folgte ein Krankenhausaufenthalt – der Tag verging wie im Flug. Kurz darauf durfte ich schon wieder nach Hause.“
Obwohl sie ihre geringe Leistungsfähigkeit bemerkte und mehrfach Herzrasen während des Trainings hatte, trat sie dennoch an, auch weil ihre Blutwerte in Ordnung erschienen.
„Die Laborwerte waren wieder stabil, Puls und Herzwerte einigermaßen normal. Es gab kaum Vorbereitung. Doch es stand so viel auf dem Spiel: Startplätze, Sponsoren, Perspektiven. Wenn man hört, dass andere trotz Infekt starten, denkt man schnell: Das wird schon klappen“, erklärt sie.
Erst mehr als eine Woche nach ihrem Zusammenbruch erhielt sie schließlich eine Diagnose – auch wenn diese niederschmetternd war. „Es war ein Zwiespalt. Einerseits war ich erleichtert, endlich Klarheit zu haben. Glücklicherweise handelt es sich um eine mildere Form und nicht um eine extreme. Trotzdem bleibt ein Risiko“, weiß sie.
Inzwischen hört sie besser auf ihren Körper, doch damals befand sie sich in einer Stressphase, mitten in den Qualifikationsrennen mit dem großen Ziel Olympia vor Augen. „Ich musste die Qualifikation absolvieren, es stand viel auf dem Spiel. Wenn man die medizinische Freigabe bekommt und die Werte passen – welcher Sportler sagt da schon: 'Nein, ich verzichte'? Das ist eine sehr schwere Entscheidung“, gesteht sie.
Mittlerweile schafft sie viele Dinge im Alltag wieder, sogar kleinere Arbeiten wie das Streichen einer Wand. An Training ist jedoch noch lange nicht zu denken. „Die Gesundheit hat Vorrang. Wie lange betreibt man Leistungssport – und wie viel möchte man vom Leben danach noch genießen? Solange der Körper nicht gesund ist, macht es keinen Sinn. Trotzdem habe ich den Zustand bis heute noch nicht vollständig akzeptiert“, räumt sie ein.
Beim Besuch der Wettkämpfe in Antholz wird sie mit Sicherheit zwiegespalten sein – dankbar, dass nichts Schlimmeres passiert ist, aber dennoch mit einem weinenden Auge, weil ihr großer Traum von Olympia geplatzt ist.