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Emotionaler Abschied von Bakken (†27): Tränen vor dem Rennen – dann triumphiert sein Freund

Oberhof – Vor dem Beginn des ersten Biathlon-Sprints des Jahres in Oberhof kam es zu bewegenden Momenten: Der wenige Tage vor Weihnachten verstorbene Norweger Sivert Guttorm Bakken (†27) wurde in ehrender Erinnerung gehalten, viele Anwesende konnten ihre Tränen kaum zurückhalten. Die Emotionen blieben auch nach dem Rennen spürbar, als sein enger Freund Tommaso Giacomel den Wettkampf für sich entschied.

Gemeinsam mit der norwegischen Mannschaft versammelte sich der italienische Athlet Tommaso Giacomel, der Bakken sehr nahe stand, vor dem Startbereich. Johannes Dale-Skjevdal hielt dabei symbolisch ein Trikot mit der Startnummer 1 hoch, das Bakken vor dem Rennen zugeordnet worden war.

Schon vor dem Rennen waren die Augen vieler Teilnehmer feucht, doch der emotionale Höhepunkt war ein Film, der zahlreiche Eindrücke aus Bakkens Laufbahn zeigte. Statt einer Schweigeminute gab es eine Minute lang Applaus für den verstorbenen Norweger.

Trotz der enormen Belastung, kurz nach dem Verlust eines Teamkameraden und Freundes erneut Höchstleistungen zu erbringen, wollten die norwegischen Athleten die Wettkämpfe in Oberhof keinesfalls absagen. Alle äußerten, Bakken hätte gewollt, dass sie an den Start gehen.

"Ich werde alles geben, um ihn stolz zu machen. Genau das hätte Sivert sich gewünscht. Ohne die Bereitschaft zu starten, wäre ich heute nicht hier", erklärte Giacomel bei einer Pressekonferenz am Vortag. Er und das gesamte norwegische Team traten mit Trauerflor an.

Giacomel erfüllte diesen Wunsch: Trotz eines Fehlschusses beim Schießen gewann er das Rennen vor dem Deutschen Philipp Nawrath und Dale-Skjevdal, fiel anschließend seinem norwegischen Freund in die Arme und widmete ihm den Sieg mit den Worten "Für Sivert".

Im Siegerinterview bei der ARD wirkte der Italiener sichtlich bewegt und sagte: "Glückwünsche kann ich heute kaum annehmen. Es ist seltsam – heute ist einer meiner besten, aber auch gleichzeitig einer meiner schlimmsten Tage, weil Sivert nicht mehr da ist. Das macht mich sehr traurig."

Auf die Frage, ob der Sieg auch für Bakken sei, antwortete er nur kurz und knapp mit "Ja" und kündigte an, dass die Siegerehrung sehr emotional verlaufen werde.

Philipp Nawrath berichtete nach seinem ersten Podestplatz der Saison, er habe die Ehrung nicht direkt im Stadion miterlebt, da er noch nicht vor Ort war. Dennoch herrschten im Hintergrund "intensive Emotionen". Er lobte Giacomel dafür, wie dieser seine Gefühle während des Rennens zurückstellen konnte.