Biathlon-Bundestrainer erkrankt an Hodenkrebs: So belastend waren die letzten Wochen für ihn
Otepää (Estland) – Kurz vor dem Biathlon-Weltcup in Otepää gab Damen-Bundestrainer Sverre Olsbu Røiseland (35) überraschend bekannt, dass bei ihm Hodenkrebs diagnostiziert wurde. Trotz der niederschmetternden Nachricht betreute der Norweger das deutsche Frauenteam bereits kurz nach seiner Operation wieder und berichtete am Rande des Weltcups offen darüber, wie er und seine Familie mit dieser schwierigen Situation umgehen.
Olsbu Røiseland erzählte bei TV2, dass er nach den Olympischen Spielen in Italien aufgrund von Symptomen einen Arzt aufgesucht habe – dort erhielt er dann die erschütternde Diagnose Hodenkrebs.
„Es ist äußerst befremdlich, dass gerade ich betroffen bin und diese Nachricht hören musste“, sagte der 35-Jährige.
Die Zeit seit den Winterspielen sei sowohl für ihn als auch für seine Familie sehr belastend gewesen, da unklar war, wie sich die Krankheit entwickeln und wie ernst die Lage sein würde. Um nicht zu sehr in Sorgen zu versinken, habe er sich zu Hause mit alltäglichen Aufgaben abgelenkt, verriet der Ehemann der Rekord-Weltmeisterin Marte Olsbu Røiseland (35), mit der er einen zweijährigen Sohn hat.
Im norwegischen Gesundheitssystem fühlte er sich gut betreut und zeigte sich dankbar dafür, dass seine Erkrankung ernst genommen und schnell medizinische Unterstützung gewährt wurde.
Auch in den eigenen vier Wänden kann der Bundestrainer auf Rückhalt von Familie und Freunden bauen.
„Das ist eine große Hilfe, gerade wenn man einen zweijährigen Sohn hat, der noch nicht verstehen kann“, erklärte der Norweger. Nach der Operation sei es ihm momentan nicht möglich, seinen Sohn hochzuheben, weshalb er ihm erklärt, dass Papa Bauchschmerzen habe.
Abgesehen davon, dass er seinen Sohn derzeit nicht tragen kann, befindet sich der Bundestrainer insgesamt in einem guten Zustand, und auch die Prognose sei positiv: „Man weiß jedoch nie genau. Krebs ist eine ernste Angelegenheit, und ich hoffe sehr, dass alles gut ausgeht und die Untersuchungsergebnisse positiv bleiben.“
Obwohl Olsbu Røiseland in Otepää wieder aktiv am Wettkampf teilnahm, verpasste er den ersten Weltcup nach den Olympischen Spielen in Finnland – das deutsche Team dachte zunächst, er sei einfach krankheitsbedingt zuhause geblieben.
Für Selina Grotian (21) und ihre Mitstreiterinnen war es daher ein „schockierender Moment“, als sie von der wahren Diagnose erfuhren.
„Uns wurde zunächst nur gesagt, dass er krank sei. Erst vor drei Tagen wurde uns die Krebsdiagnose mitgeteilt. Das war eine sehr schwere Nachricht für uns, aber ich glaube, für ihn ist es noch schwerer“, berichtete die 21-Jährige. „Es ist erstaunlich, dass er so schnell wieder dabei sein kann.“
Olsbu Røiseland selbst wollte niemanden im Unklaren lassen, musste aber zunächst für sich selbst verstehen, was genau mit ihm geschehen ist.
„Nur wenige Personen im Verband wussten von meiner Erkrankung. Doch sobald jemand davon erfährt, verbreiten sich Gerüchte sehr schnell. Deshalb wollte ich zuerst selbst alle Fakten kennen“, erklärte der 35-Jährige. „Mir war es wichtig, nichts zu verbergen, sondern offen damit umzugehen.“