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Aufsehen um Höhenmasken nach tragischem Tod des Biathlon-Stars: Hatten Trainer und Verband mehr Kenntnis als offiziell angegeben?

Oslo (Norwegen) – Nach dem bislang ungeklärten Ableben des Biathlon-Talents Sivert Guttorm Bakken (†27) kommt in Norwegen neue Unruhe auf. Gab es bei Trainern und im Biathlon-Verband doch mehr Wissen, als bisher zugegeben wurde?

Diese Vermutung wird nun durch eine Enthüllung der Zeitung „Dagbladet“ befeuert. Zwei Nachwuchstrainer haben ihr Schweigen gebrochen und deutlich gemacht, dass den Verantwortlichen bereits lange vor Bakken’s Tod bekannt war, dass vier Sportler, darunter auch Bakken selbst, sogenannte Höhenmasken eingesetzt haben – auch wenn sie weiterhin betonen, dies sei kein Bestandteil des offiziellen Trainings gewesen.

Der Biathlet wurde am Morgen des 23. Dezember tot in seinem Hotelzimmer in Lavazè, Italien, aufgefunden. Zu diesem Zeitpunkt trug er eine solche Maske, die offenbar auf eine Höhe von 7000 Metern eingestellt war.

Bisher ist noch nicht geklärt, ob der Gebrauch der Höhenmaske mit dem Tod des Athleten in Verbindung steht oder ob andere Ursachen vorliegen. Die italienischen Ermittlungsbehörden hatten angekündigt, Anfang März Ergebnisse ihrer Untersuchung zu veröffentlichen, haben dies jedoch bislang nicht getan.

Kurz nach Bekanntwerden des tragischen Vorfalls gab der Verband eine Stellungnahme heraus, in der mitgeteilt wurde, dass erst nach dem Tod bekannt geworden sei, dass einige Athleten sich die Masken beschafft hätten. Der Einsatz dieser Geräte sei jedoch „nicht Teil des organisierten Trainingsprogramms des Norwegischen Biathlon-Verbandes“ gewesen, hieß es weiter.

Anders Brun Hennum (38), Entwicklungsleiter im norwegischen Biathlon, sowie Anders Øverby (32), Trainer der Nachwuchs-Nationalmannschaft, bestätigten in einer Nachricht an „Dagbladet“, dass sie darüber informiert waren, dass die Masken regelmäßig verwendet werden und insgesamt vier Sportler diese genutzt hätten.

Erst vor Kurzem hatte die Zeitung aufgedeckt, dass die Nutzung der Masken nicht nur von einzelnen Athleten initiiert wurde.

Demnach stand der Experte Bent Rønnestadt (49), der mit einem Anteil von 20 Prozent beim Olympiatoppen – einer Institution zur Förderung norwegischer Spitzensportler – angestellt ist, im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Skischützenverband in regelmäßigem Kontakt mit den Trainern, um Trainingsmethoden und Testverfahren zu verbessern.

Obwohl die Verantwortlichen bestreiten, dass es bei diesen Gesprächen um Höhenmasken ging, leitete der Professor im vergangenen Herbst ein Forschungsprojekt über den Einsatz dieses Trainingsgeräts und gab den Athleten sogar den Hinweis, die Masken bei der spanischen Firma Altitude Zone zu erwerben.

Es erscheint daher wenig plausibel, dass sowohl Rønnestadt als auch die Sportler die Beschaffung und Verwendung der Masken völlig eigenständig entschieden haben.