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Missbrauchsskandal bei Turnerinnen: Verband sieht keine Veranlassung für Rücktritte

Von Sandra Degenhardt

Stuttgart – Nach Auffassung des Deutschen Turner-Bundes (DTB) liegen im Missbrauchsskandal um Turnerinnen in Stuttgart und Mannheim keine strafrechtlich relevanten Verfehlungen seitens der Funktionäre vor.

Aus diesem Grund seien auch keine personellen Maßnahmen geplant, teilte der DTB am Freitag mit. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt neun aktuelle und ehemalige Amtsträger. Die vom DTB beauftragte Anwaltskanzlei Redeker Sellner Dahs hat daraufhin die Ermittlungsakte geprüft.

Das Ergebnis der Kanzlei lautet, dass sich auf Grundlage der erlassenen Einleitungsverfügung keine strafrechtliche Verantwortlichkeit der beschuldigten DTB-Funktionäre erkennen lasse.

Die darin enthaltenen Tatsachenbehauptungen sowie die rechtlichen Einschätzungen reichten nach Auffassung der Kanzlei nicht aus, um die strafrechtlichen Vorwürfe zu untermauern", heißt es in einer Stellungnahme des Verbands. Vor diesem Hintergrund sehe das Präsidium keine Veranlassung, personelle Konsequenzen zu ziehen.

Der DTB betont jedoch, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart weiterhin sehr ernst zu nehmen und diese aktiv zu unterstützen. Zudem behalte man die weitere Entwicklung aufmerksam im Auge und werde die Lage bei Bedarf erneut bewerten.

Die Staatsanwaltschaft hat Verfahren wegen des Verdachts der – teils versuchten – vorsätzlichen Körperverletzung sowie der Nötigung in mehreren Fällen durch Unterlassen eingeleitet.

Die Namen der Beschuldigten wurden nicht veröffentlicht. Der DTB hatte jedoch mitgeteilt, dass darunter Verbandspräsident Alfons Hölzl sowie Sportvorstand Thomas Gutekunst sind.

Zusätzlich laufen seit Januar Ermittlungen gegen zwei ehemalige führende Personen im DTB. Beim Schwäbischen Turnerbund (STB) wird seit Dezember gegen „ein aktuelles und ein ehemaliges Präsidiumsmitglied sowie gegen zwei gegenwärtige und eine ehemalige Führungskraft“ ermittelt, wie der STB bekanntgab.

Im Dezember wurden gegen den DTB und den STB außerdem Bußgeldverfahren durch die Staatsanwaltschaft eingeleitet. Weitere Einzelheiten zum Stand der Ermittlungen wurden nicht veröffentlicht.