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Weltmeister begeht Regelverstoß, um gegen die beste Schachspielerin der Welt zu siegen

Linares (Spanien) – Schon als Kind träumte Judit Polgar davon, gegen den weltbesten Schachspieler anzutreten. Bereits mit 17 Jahren wird dieser Traum Realität, als die Ungarin Judit Polgar (*1976) im Rahmen eines Großmeisterturniers in Spanien auf den amtierenden Weltmeister Garri Kasparow (*1963) trifft. Doch was sie während ihres Duells mit dem Champion erlebt, kann sie kaum fassen.

Polgar beginnt die Partie mit einem aggressiven e4 und hält sich bis zum 27. Zug gut, ehe ihr ein Fehler unterläuft. Kasparow übernimmt die Führung und greift etwa zehn Züge später zu seinem Springer auf d7. Er stellt die Figur zunächst auf c5, nimmt sie dann jedoch kurze Zeit später wieder auf und setzt sie zurück nach d7, bevor er sie schließlich auf f8 platziert.

„Ich war entsetzt“, berichtet Judit Polgar in der Netflix-Dokumentation „Die Königin des Schachs“, denn dieses Verhalten stellt einen klaren Verstoß gegen die Spielregeln dar.

Im Schach gilt nämlich die Grundregel: Berührt, geführt!

Das heißt, dass eine berührte Figur gezogen werden muss und ein einmal ausgeführter Zug nicht mehr rückgängig gemacht werden darf.

„Ich glaube, ich habe gar nicht bemerkt, dass meine Hand die Figur losgelassen hat“, gibt Garri Kasparow, der ebenfalls in der Dokumentation zu Wort kommt, auch Jahre später kein Fehlverhalten zu. Das, obwohl eine Kamera seinen Regelverstoß eindeutig dokumentierte.

„Ein Sieg war dadurch ohnehin nur schwer möglich, höchstens ein Remis. Verlieren wäre jedoch sehr unangenehm für mich gewesen“, erklärt das Schach-Enfant Terrible seine Motivation zum Betrug.

Wäre er gezwungen gewesen, den Springer auf c5 zu ziehen, hätte er einen gefährlichen Doppelangriff durch den Läufer erlitten. So behält Kasparow letztlich die Oberhand und gewinnt die Partie.

„Niemand hätte erwartet, dass ein Weltmeister gegen die Regeln verstößt. Für ihn wäre es peinlicher gewesen, zu verlieren. Ich habe meinem Gegner vertraut – das war ein Fehler“, reflektiert Judit Polgar heute mit einem Lächeln.

Die Videoaufnahmen der Partie zeigen, wie überrascht sie ist, als sie den Schummelei-Moment des russischen Ausnahmetalents erkennt. Da sie jedoch nicht sofort Einspruch erhob und nach der Begegnung das Partieformular ohne Einwand unterschrieb, blieb ihre Niederlage bestehen.

Ob es Judit Polgar im Verlauf ihrer Karriere noch gelang, Kasparow zu besiegen, erfahrt Ihr in der Netflix-Dokumentation „Die Königin des Schachs“, die ihren außergewöhnlichen Aufstieg in der männlich dominierten Schachwelt beleuchtet.