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Turnskandal: Staatsanwaltschaft nimmt nun auch zwei Funktionäre ins Visier

Stuttgart – Im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen am Kunst-Turn-Forum in Stuttgart hat die zuständige Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen DTB-Präsident Alfons Hölzl (57) sowie den Sportvorstand Thomas Gutekunst (43) eingeleitet.

Dies gab der Deutsche Turner-Bund am Montagabend bekannt. In einer Stellungnahme hieß es: „Ende der vergangenen Woche wurde der DTB über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen verschiedene Personen informiert – darunter der Präsident und der Vorstand Sport des Verbandes. Der DTB ist als Nebenbeteiligter involviert. Gegenstand der Ermittlungen sind Vorfälle am Kunst-Turn-Forum in Stuttgart.“

Der Präsident und der Vorstand hätten „das Präsidium darüber in Kenntnis gesetzt“, so der Verband weiter: „Der DTB hat seine Rechtsanwälte beauftragt, die bislang vorliegenden Informationen der Staatsanwaltschaft Stuttgart zeitnah zu prüfen. Erst auf dieser Grundlage wird der DTB über das weitere Vorgehen entscheiden.“

Die aktuellen Ereignisse nähme der Turner-Bund „sehr ernst“ und werde „die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart selbstverständlich weiterhin unterstützen. Wir möchten darauf hinweisen, dass für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung gilt.“

Hölzl äußerte sich zu den Vorwürfen: „Ich bin über die gegen meine Person erhobenen Anschuldigungen und die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens überrascht. Die mir bisher bekannten Details kann ich weder inhaltlich noch hinsichtlich einer möglichen Pflichtverletzung nachvollziehen“, erklärte der DTB-Präsident in einer Pressemitteilung.

„Aus diesem Grund werde ich mich qualifiziert durch einen Rechtsbeistand gegen die Vorwürfe verteidigen. Ich werde uneingeschränkt mit den Ermittlungsbehörden kooperieren und stehe für eine vollständige und transparente Klärung der Anschuldigungen zur Verfügung.“

Hölzl sehe „auf Basis der aktuell vorliegenden Sach- und Rechtslage keinen Grund, mein Amt als Präsident des Deutschen Turner-Bundes niederzulegen oder ruhen zu lassen. Mein Augenmerk liegt weiterhin auf einer verantwortungsvollen und störungsfreien Amtsführung im Interesse des Verbandes“, so der Präsident.

Zuvor hatte der Schwäbische Turnerbund (STB) in einer Erklärung mitgeteilt, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihre Ermittlungen ausgeweitet habe und sich diese nun auch „gegen Funktionsträger“ des STB richteten.

Ihnen werde „vorgeworfen, ihrer organisatorischen Verantwortung nicht ausreichend nachgekommen zu sein“, schrieb der STB in der Mitteilung. „Der STB teilt die vorläufige Einschätzung der Staatsanwaltschaft nicht und weist diese entschieden zurück.“ Der Landesverband sei „zuversichtlich, dass sich die Position des STB im weiteren Verlauf des Verfahrens bestätigen wird. Bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt die Unschuldsvermutung, deren Berücksichtigung wir ausdrücklich erbitten.“

Ende 2024 waren Missbrauchsvorwürfe von teils ehemaligen Athletinnen gegen Trainerinnen und Trainer an den Stützpunkten in Stuttgart sowie in Mannheim öffentlich geworden. Seit mehreren Monaten laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen mutmaßlicher körperlicher und psychischer Gewalt.