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Deutsche Olympiasiegerin übt scharfe Kritik an ARD und ZDF: „Ein Skandal“

Dortmund – Laura Nolte (27) hat bei Olympischen Winterspielen im Bobsport bereits zweimal Gold gewonnen, doch dennoch kannten viele Zuschauer sie auch diesmal vor den Fernsehbildschirmen kaum. Dabei haben gerade die Athleten im Eiskanal in Mailand und Cortina maßgeblich dazu beigetragen, die Medaillenbilanz des deutschen Teams zu sichern.

Im Alltag mangelt es den Aushängeschildern des Wintersports jedoch nicht nur an finanziellen Mitteln, Unterstützung und Wertschätzung, sondern vor allem an ausreichender Präsenz im Fernsehen.

Aus diesem Grund übte Laura Nolte, die im Zweierbob Gold und im Monobob Silber errang, deutliche Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF.

„Wir Bobsportler sind mit Abstand die erfolgreichsten Medaillengewinner, erhalten aber kaum Sendezeit und sind daher fast vollständig auf selbstlose Sponsoren angewiesen. Das ist schlichtweg ein Skandal“, schrieb sie in ihrer Kolumne für die Bild.

Dabei verzeichneten insbesondere die Wettbewerbe im Bob- und Skeleton-Sport zeitweise die höchsten Einschaltquoten bei Olympia. Besonders bei den Männern fesselte das Duell zwischen dem Doppel-Olympiasieger Johannes Lochner (35) und dem bisherigen Spitzenreiter Francesco Friedrich (35) die Zuschauer.

Auch bei den Frauen war die Konkurrenz äußerst spannend: Die deutschen Top-Athletinnen Laura Nolte, Lisa Buckwitz (31) und Kim Kalicki (28) lieferten sich packende Wettkämpfe mit ihren US-amerikanischen Rivalinnen.

Solche Duelle sind auch bei den Weltcup-Rennen zu sehen, doch hier zeigen ARD und ZDF meist nur kurze Zusammenfassungen während der Wintersport-Wochenenden.

Wer die kompletten Rennen verfolgen möchte, ist auf Internet-Streams angewiesen. Bei den Skeleton-Athleten ist die Situation noch schlechter – oft starten sie an einem Weltcup-Wochenende bereits freitags und werden deshalb gar nicht im Fernsehen übertragen.

Viele andere olympische Disziplinen haben eine vergleichbare Problematik, im Gegensatz dazu genießt etwa der Biathlon eine deutlich höhere mediale Aufmerksamkeit.

„Zahlreiche deutsche Sportler müssen buchstäblich von Tür zu Tür gehen, um ihre Sportarten finanziell abzusichern. Wir Bobpilotinnen tragen beispielsweise enorme Kosten: Wir bezahlen unsere Anschieberinnen, Miete für Transporter, Hotels, Schlittschuhe und vieles mehr. All das summiert sich jährlich leicht auf über 50.000 Euro“, erläuterte Laura Nolte die finanziellen Herausforderungen ihres Sports.

Noch besorgniserregender ist jedoch die Zukunftsperspektive. Wie Anfang der Woche bekannt wurde, erwägt das Internationale Olympische Komitee (IOC) offenbar, die Schlitten-Disziplinen Bob, Skeleton und Rodeln aus dem Programm zu streichen. Dies wäre nicht nur für die Athleten ein herber Rückschlag, sondern angesichts der starken Medaillenbilanz in Mailand und Cortina auch eine Katastrophe für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).